Zwei NOrmen
Ist die strengere Norm. Sie prüft den Brand und danach den Absturz: Der Schrank fällt aus 9,15 Metern auf einen Schutthaufen — so, wie er bei einem Deckendurchbruch in ein tieferes Geschoss stürzen würde. Anschließend geht er zurück in den Brandraum. Die Klassen dieser Norm beginnen mit einem S.
Gilt für leichte Feuerschutzschränke und verzichtet auf die Fallprüfung. Ihre Klassen tragen das Kürzel LFS, was für Light Fire Storage steht. Sie sind leichter, günstiger und für ein Erdgeschossbüro oft ausreichend — im dritten Obergeschoss beantworten sie die entscheidende Frage nicht.
Für den Alltag heißt das: Die Normbezeichnung verrät, ob ein Feuerschutzschrank nur den Brand oder auch den Einsturz überstanden hat. Das ist keine akademische Unterscheidung — bei einem Gebäudebrand stürzen Decken ein, und ein Schrank aus dem dritten Stock landet im Keller.
Beide Normen prüfen ausschließlich Feuer. Ein Widerstandsgrad nach EN 1143-1 sagt nichts über Brandschutz, und umgekehrt sagt eine Feuerschutzklasse nichts über Einbruchsicherheit.
Der Überblick
| Klasse | Norm | Brenndauer | Max. Temperatur innen |
|---|---|---|---|
| LFS 30 P | EN 15659 | 30 Minuten | 170 °C, Papier |
LFS 60 P |
EN 15659 | 30 Minuten | 170 °C, Papier |
| S 60 P | EN 1047-1 | 60 Minuten | 170 °C, Papier |
| S 120 P | EN 1047-1 | 60 Minuten | 170 °C, Papier |
| S 60 DIS | EN 1047-1 | 60 Minuten | 50 °C, Datenträger |
| S 120 DIS | EN 1047-1 | 60 Minuten | 50 °C, Datenträger |
Prüfung
Zertifikat
Papier & Daten
Praxis
Auswahl
Häufige Fragen
S steht für eine Prüfung nach EN 1047-1, 60 für die Branddauer in Minuten und P für das Schutzgut Papier. Der Schrank hält im Brandraum sechzig Minuten stand, ohne dass die Innentemperatur über 170 Grad steigt, und besteht zusätzlich die Fallprüfung aus 9,15 Metern Höhe.
Im zulässigen Temperaturanstieg und damit im Schutzgut. Papierklassen lassen bis zu 170 Grad im Innenraum zu, Datenklassen dagegen nur 50 Grad, weil Festplatten, Bänder und SSDs weit früher versagen als Papier es tut. Für Datenträger gilt zusätzlich eine Obergrenze von 85 Prozent relativer Luftfeuchte.
Nein, trotz der längeren Branddauer nicht. Entscheidend ist nicht, wie lange geprüft wurde, sondern wie warm es innen werden darf — und 170 Grad überstehen Datenträger nicht. Wer Sicherungskopien einlagert, braucht eine DIS-Klasse, selbst wenn sie nur für sechzig Minuten ausgelegt ist.
Weil der Feuerschutz darauf beruht, dass die Dämmung unter Hitze gebundenes Wasser abgibt und damit Energie aufnimmt. Dieser Wasserdampf gelangt in den Innenraum. Datenträger nehmen davon Schaden, auch wenn die Temperatur eingehalten wurde — deshalb steht die Grenze von 85 Prozent in der Norm.
Die EN 1047-1 umfasst neben dem Brand eine Fallprüfung aus 9,15 Metern und anschließend eine erneute Brandbeanspruchung; ihre Klassen beginnen mit S. Die EN 15659 gilt für leichte Feuerschutzschränke, verzichtet auf den Fallversuch und verwendet das Kürzel LFS für ihre beiden Klassen.
Nein. Die EN 1143-1 prüft ausschließlich den Widerstand gegen Aufbruch, und massiver Stahl leitet Wärme ausgesprochen gut. Feuerschutz muss deshalb immer getrennt geprüft und eigens zertifiziert sein. Es gibt Geräte mit beiden Zertifikaten — dann stehen auf der Plakette ein Widerstandsgrad und eine Feuerschutzklasse nebeneinander.
An der Klassenbezeichnung mit Normangabe und an einer Plakette innen an der Tür, die Klasse, Norm, Prüfstelle und Herstellungsjahr nennt; dazu gehört ein Zertifikat auf Papier. Werbebegriffe wie feuerhemmend oder feuerfest sind nicht geschützt und sagen für sich genommen nichts über eine bestandene Prüfung aus.
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